Die Spritzerei* des Nachbar-Landwirts - mit Abwehungen und damit möglicher Belastung unserer Parzellen - beunruhigt - außer uns Krautgärtnern selbst - bisher weder den Verpächter noch die Abteilung des Grünen Gürtels der Stadt München.
Auf unsere Fragen, wie beispielsweise, ob das Brunnenwasser belastet sein kann oder wie lange wir nichts vom Feld essen sollen, geht der Verpächter nicht ein und lässt uns mit unseren Sorgen alleine. Hat er oder die Stadt München hier keine Fürsorgepflicht? Es war reiner Zufall, dass zum Zeitpunkt der Spritzerei einige Krautgärtner am Feld waren. Hätte der Landwirt früh um 6 Uhr gespritzt, hätte keiner etwas bemerkt.
Erst 13 Tage nach der Spritzerei hingen die beiden Sicherheitsdatenblätter der versprühten Herbizide Gardo Gold und Callisto am Feld: Warum hat der Verpächter sie nicht per E-Mail geschickt, dann wären alle Betroffenen spätestens innerhalb von 2 Tagen informiert gewesen. Die Hinweise darin wie Abstandsflächen, Giftigkeit etc. sind für Laien zum Teil schwer interpretierbar und verunsichern. Vom Verpächter des Krautgartens Fasanerie kommen keine weiteren Hinweise, für ihn ist mit dem Aushang scheins alles erledigt.
Selbst im Supermarkt haben wir einen besseren Verbraucherschutz als im Krautgarten Fasanerie? Im Supermarkt gibt es immerhin Stichproben auf mögliche Belastungen. Im Krautgarten Fasanerie fühlen sich weder Verpächter noch Abteilung Grüner Gürtel verantwortlich. Der Hinweis des LfL 20 m Sicherheitsabstand zum bespritzen Feld einzuhalten, ist doch skurril, da unsere Parzellen somit komplett in der Gefahrenzone liegen. Warum durfte dort ein Krautgarten errichtet werden? Oder: Warum darf neben einem Bio-Krautgarten ein konventioneller Landwirt Gifte sprühen? Angeblich verpachtet die Stadt München an den konventionellen Landwirt. Wenn dem so ist, wäre das ein Witz! So wird das nichts, mit der Bio-Großstadt München.
* In Gardo Gold ist S. Metolachlor enthalten, das im Verdacht steht krebserregend und nervenschädigend zu sein.
http://kurier.at/politik/verbotene-stoffe-in-bienen-entdeckt/773.149
Für die konkrete Belastung würde ich wie gesagt messen lassen: vielleicht hattet ihr ja Glück? Wenn der Stoff bekannt ist, dann ist die Messung auch viel einfacher, soweit ich weiß.
Ansonsten weiß ich nicht, wie die rechtliche Lage für Pestizide/Herbizide ist (Abstände, Umgebung (Menschen/Gemüseanbau/, ...). Vielleicht tut sich ja durch den Zwischenfall nächstes Jahr etwas, und wenn nicht hat vielleicht das Umweltinstitut München Interesse, sich der Sache anzunehmen und Druck auf den Bauern bzw. die Stadt auszuüben, dass so etwas wenigstens nicht wieder vorkommt.
Hallo Kraut-Wiggerl und alle Interessierten,
wir haben unzählige Kontakte aufgenommen:
- Bay. Staatsregierung
- AID, was-wir-essen.de, Infodienst gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung ...
- IPS, Landesamt für Landwirtschaft
- KVR, Lebensmittelüberwachung
- Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelrecht
- Stadt München, Grüner Gürtel
- Verpächter Krautgarten Fasanerie
- Nachbar-Maisbauer, der gespritzt hat
- ...
Das Ergebnis bis heute:
Keiner fühlt sich zuständig und schiebt die Verantwortung weiter. Immer wieder werden wir auf das LfL oder KVR verwiesen ... wir drehen uns im Kreis. Auf eine Antwort des KVR und des LGL warten wir noch.
Wir wundern uns, dass wir uns in einem privaten Krautgarten anscheinend in einem rechtsfreien Raum bewegen. Die Unsicherheit, was wir da wohl essen, ist inzwischen groß. Jeder wartet, ob sich nicht doch einer der Sache annimmt. Einige ernten weiter, einige haben ihre Parzelle aufgegeben, andere erfreuen sich ohne Ernte an dem Wuchs.
Viele sehen den Krautgarten Fasanerie mit großer Skepsis und suchen nach Alternativen. Für uns ist klar geworden: Ohne Bio-Zertifizierung eines Ackers kann keiner gesichert gesundes Gemüse anbauen, da der konventionelle Nachbar-Landwirt die stärkere Lobby besitzt. Auch wenn sich die Presse der Sache annimmt, unser Gemüse im Krautgarten Fasanerie wird kein Bio-Gemüse mehr werden. Schade drum.
Siehe hierzu auch
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/gemuese-104.html
PS: Wir suchen im stadtnahem Münchner Westen/Norden einen eigene Fläche, den wir direkt von einem Landwirt pachten können. Falls wir etwas geeignetes finden, werden wir wohl einen Verein gründen. Noch ist unbestimmt wie es weiter gehen soll.