Bild 1: der Boarhof liegt am Tegernsee in "Holz" und hat einen Hofladen sowie Gastronomie, ..

Beim zweijährlichen Ausflug der Ehrenamtlichen des Sonntags-Cafés vom ÖBZ haben wir schon das Biogut Wallenburg besichtigt (-->Link), aber der Boarhof hat noch ein anderes Konzept, mit Direktvermarktung am Hof und ein wenig Biokiste, und mit dem Verkauf von verarbeiteten Produkten (Gemüse in der Gastronomie (z.B. gebratene und marinierte Zwiebeln statt Zwiebelbund ..) Brot, Käse, Wurst, ..).
Auch der Boarhof zieht wie Wallenburg seine eigenen Pflanzen selber an, aber er geht noch weiter und verwendet kein Hybrid-Saatgut, sondern nur samenfeste Sorten, die er selber vermehrt und somit den ganzen Kreislauf abdeckt.

Auch bezieht er nicht jedes Jahr neu Hummelvölker, Schwebfliegen und andere Nützlinge für das geschlossene Gewächshaus von Spezialbetrieben für den Bio-Anbau sondern er lässt das Gewächshaus offen, damit Insekten ein- und ausfliegen können, muss aber den Nützlingen auch immer genug Nahrung bieten, d.h. es müssen immer genug Blattläuse da sein, damit die Marienkäfer und ihre Larven kommen und blieben. Deshalb sind in den Gewächshäusern auch viele Blumen, die auch bei uns am Krautgarten gerne wild aufgehen: Ringelblumen, Malven, ..


Die alten Tomatensorten, die auch gepflegt werden, sind nicht registriert (nur wenige registierte Tomatensorten sind nicht Hybrid) und dürfen daher nur als Zierpflanzen verkauft werden. Viele Sorten sind in diesem Gewächshaus (wie die das mit dem Verhindern von Querbefruchtung machen, habe ich leider nicht gefragt ..).

Auch bezüglich Beikraut und Schnecken ist der Boarhof anders und kleinteiliger gepolt: es wird sehr viel mit Mischkultur (auch in einer Reihe!) gemacht und sehr viel mit Stroh gemulcht, um den Boden weich und feucht zu halten und um beim Abbau Humus aufzubauen. Dadurch gehen die Lichtkeimer unter den Beikäutern nicht auf und man muss nur ab und zu den Rest ziehen und viel weniger giessen.





Mehr Feuchtigkeit heisst allerdings auch, dass sich die Schnecken wohl fühlen, im Gegensatz zum trockenen Ackerboden (weshalb wir Krautgärtner*innen es bezüglich meist viel besser als Schrebergärtner haben, die mit Wiese und Gebüsch jede Menge feuchte Verstecke vorrätig haben ..). Auch hier wird auf die Förderung von Nützlingen gesetzt (massiv, da es anfangs ein Scheckenproblem gab): Igel, Blindschleichen, Laufenten, Kröten (die brauchen es nur feucht, Wasser wird nur zum Laichen benötigt, weshalb auch ein Teich angelegt wurde), und der "Todesstreifen": eines der Schweine (alte Sorten) darf in einem Streifen um das Gemüse herum sein .. (begrenzt durch einen Elektrozaun):



Die Schweine sind es auch, die den Boden bei Bedarf pflügen: man wirft Getreide oder andere Leckerein aus und lässt die Schweine suchen .. Bei dem heissen Wetter liessen die Schweine sich allerdings nicht einmal von den Lockrufen des Bauern beeindrucken und dösten regungslos im Schatten ..


Der ganze Anbau ist voll mit kleinen und grossen Tricks um die Gleichgewichte der Natur zu nutzen und man kann auch Seminare machen. Beispiel: Buchweizen wird eingepflanzt um Käfer vom Anfressen anderer Nutzpflanzen abzuhalten (sie ziehen Buchweizen vor)

Zuguterletzt gab es noch einen Besuch in der Gastronomie und im Hofladen (leider ohne Bild, ein schöner kleiner Laden, mit leckeren Dingen ..).

Ein sehr interessanter Besuch. Zweimal im Jahr gibt es öffentliche Besichtigungen, ansonsten kann man buchen.
https://www.brotzeit-leben.de